Zeitungsbericht »Informierte Daimler die Anleger zu spät?
Aufsichtsbehörde: Schrempp-Rücktritt
war im Unternehmen offenbar lange bekannt«
in Badische Zeitung vom 25.01.2007
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»Informierte Daimler die Anleger zu spät?
Aufsichtsbehörde: Schrempp-Rücktritt
war im Unternehmen offenbar lange bekannt«
STUTTGART/FREIBURG (AFP/weg). Daimler-Chrysler soll die Rücktrittsankündigung des ehemaligen Konzernchefs Jürgen Schrempp fast drei Wochen unter der
Decke gehalten haben. Bereits 18 Tage vor der Veröffentlichung am 28. Juli 2005 seien entsprechende Presseerklärungen und Mitarbeiterbriefe entworfen
worden, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf ein Schreiben der Finanzaufsicht Bafin an die Oberstaatsanwaltschaft
Stuttgart. Damit habe eine Insiderinformation vorgelegen, die sofort hätte veröffentlicht werden müssen.
Bleibe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bei ihrer Einschätzung, drohe dem Autokonzern ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro.
Hinzu kämen Schadenersatzforderungen jener Aktionäre, die kurz vor der Mitteilung ihre Aktien verkauft hatten und nun gegen den Konzern klagen, berichtete
die Zeitung weiter. Dabei gehe es um einen Schaden von sechs bis sieben Millionen Euro aus nicht realisierten Kursgewinnen.
Die Aktie war nach der Ankündigung vom Rücktritt Schrempps gut zehn Prozent nach oben geschossen. Zu diesem Thema läuft in Stuttgart ein Prozess, den Anleger
gegen Daimler-Chrysler angestrengt hatten. Am 15. Februar wolle das Oberlandesgericht Stuttgart die Frage beantworten, ab wann Daimler-Chrysler den Rücktritt
hätten bekannt machen müssen, schreibt die Zeitung.
Der Freiburger Daimler-Chrysler-Kritiker Jürgen Grässlin hatte schon unmittelbar nach Schrempps Rücktrittsankündigung gesagt, er habe zwölf Tage vor der
Bekanntgabe gewusst, dass der Daimler-Boss seinen Rückzug ankündigen werde. Damit, so Grässlin damals, sei dem Insiderhandel Tür und Tor geöffnet gewesen.
Konkret warf Grässlin dem Daimler-Chrysler-Großaktionär Deutsche Bank vor, Insidergeschäfte getätigt zu haben. Tatsächlich wurde gegen Grässlin wegen
Insiderhandels ermittelt. Diese Ermittlungen wurden später ergebnislos eingestellt. Am Vorwurf gegen die Deutsche Bank sei nichts dran, sagte damals eine
Sprecherin des Bafin gegenüber der Badischen Zeitung.
Der Streit zwischen Grässlin und der Daimler-Chrysler-Spitze geht unterdessen in eine neue Runde. Vorstandschef Dieter Zetsche verlangt von Grässlin 50.000
Euro Schmerzensgeld. Zetsche habe Grässlin aufgefordert, diese Summe freiwillig zu zahlen, sagte eine Sprecherin des Daimler-Konzerns. Als Grund nannte sie
die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Grässlin denkt allerdings nicht daran zu zahlen. Das machte er gegenüber der Badischen Zeitung klar. Zetsches
Anwalt wiederum hat gegenüber dem manager magazin angekündigt, vor Gericht zu ziehen, sollte Grässlin nicht zahlen.
Für den Freiburger Buchautor, der pünktlich zur Daimler-Chrysler-Hauptversammlung am 4. April ein neues Buch über den deutsch-amerikanischen Autohersteller
herausbringen will, ist die Schmerzensgeld-Forderung eine Reaktion auf seine Strafanzeige vom Dezember: »Getroffene Hunde bellen.« In der Strafanzeige bei
der Staatsanwaltschaft Stuttgart äußert Grässlin den [MAULKORB! DERZEIT IST MIR AUF ANTRAG VON ZETSCHE UND
DAIMLERCHRYSLER GERICHTLICH UNTERSAGT, MEINE STRAFANZEIGE GEGEN ZETSCHE U.A. ZU BEGRÜNDEN!!!], Zetsche habe vor Gericht eine
[MAULKORB!] gemacht. Vier weiteren Personen aus dem Konzern wirft Grässlin
[MAULKORB!] vor. Grässlin stellte der Staatsanwaltschaft nach eigener Aussage 40 Seiten Unterlagen
zur Verfügung.
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