Interview mit JG »Wie der Daimler-Kritiker Grässlin
finanziell ruiniert und mundtot gemacht werden soll«
in alternative. Für die Kolleginnen und Kollegen
im DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim, Nr. 36
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Aktuelles
Wie der Daimler-Kritiker Grässlin finanziell ruiniert und
mundtot gemacht werden soll
Mit einer Lawine von
Unterlassungserklärungen, einstweiligen Verfügungen und Klageschriften setzen der frühere und der
amtierende Vorsitzende Jürgen Schrempp und Dieter Zetsche sowie DaimlerChrysler als Gesamtkonzern
den Sprecher der Kritischen AktionärInnen (KADC) und Buchautor Jürgen Grässlin massiv unter Druck.
Hintergründe erfahren Sie im Interview, das Betriebsrat Tom Adler mit Jürgen Grässlin
führte.
alternative: »Herr Grässlin, welche juristischen Schritte hat das Unternehmen gegen
Sie in die Wege geleitet?«
Grässlin: »Die Landgerichte Hamburg und Berlin haben mich nach den Anträgen und Klagen
der Herren Schrempp und Zetsche zur Unterlassung kritischer Aussagen verurteilt. Vor wenigen Tagen
erreichte mich Zetsches Klage, wonach er zudem Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 50.000 Euro
fordert, das Verfahren soll vor dem Landgericht Hamburg stattfinden.«
alternative: »Wer sich näher mit den Urteilen der beiden Landgerichte gegen Sie beschäftigt, kann
den Eindruck gewinnen, dass hier äußerst konzernkonform entschieden wird.«
Grässlin: »Ich habe den Eindruck gewonnen, dass in Deutschland zumindest in ausgewählten Justizkreisen
Konzernrecht herrscht. Nicht einmal in so genannten ‚Hauptsacheverfahren’ werden entlastende Zeugen angehört, stattdessen
im Eiltempo im Sinne von Konzernen entschieden.«
alternative: »Jetzt verklagt Sie Herr Zetsche auf Schmerzensgeld. Für einen Außenstehenden ist das
schwerlich nachvollziehbar.«
Grässlin: »Herr Zetsche zählt zu den bestverdienenden Managern der Republik, sein Name steht für
Arbeitsplatzabbau und Waffenlieferungen – übrigens auch an menschenrechtsverletzende Staaten. Wenn der Multimillionär
Zetsche jetzt von mir Schmerzensgeld fordert, dann sollte er sich einmal darüber Gedanken machen, wie es den Familien
der entlassenen Daimler-Beschäftigten oder gar den Opfern von Daimler/EADS-Rüstungsexporten geht. Aus meiner Sicht sollte
Herr Zetsche vielmehr einen Schmerzensgeldfonds für die Opfer der Daimler-Geschäftspolitik einrichten.
alternative: »Aus welchem Grund glauben Sie, inszeniert DaimlerChrysler dieses Feuerwerk an juristischen
Maßnahmen gegen Sie?«
Grässlin: »In meinem Buch ‚Das Daimler-Desaster’ habe ich detailliert aufgezeigt, warum man J. Schrempp
als den größten Kapital- und Arbeitsplatzvernichter der Firmengeschichte bezeichnen kann. Im aktuell erschienenen Taschenbuch
‚Abgewirtschaftet?! Das Daimler-Desaster geht weiter’ zeige ich anhand neuer, höchst brisanter Daimler-Dokumente die systematisch
betriebenen Graumarktgeschäfte in der Ära des früheren Vertriebsvorstands Zetsche auf. Über meinen Rechtsanwalt Rothbauer habe ich
gegen Herrn Zetsche Strafanzeige wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage und anderer Delikte gestellt.
alternative: »Wie hoch sind die Kosten Ihrer Verfahren?«
Grässlin: »Momentan rechne ich mit Verfahrenskosten von insgesamt rund 140.000 Euro, die ich nur dann
zurückerhalte, falls ich letztinstanzlich gewinne. Damit ich den Weg bis vors Bundesverfassungsgericht beschreiten kann,
haben die Kritischen AktionärInnen einen Finanzfonds eingerichtet. Für Unterstützung politischer und finanzieller Art bin ich
sehr dankbar. Wenn sich viele Menschen solidarisch zeigen, wird die Konzernspitze in dem vermeintlichen Versuch scheitern,
mich mundtot zu machen und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit nach Konzernvorstellungen auszuhebeln.«
Informationen zum Unterstützerfonds erhalten Sie beim KADC-Sprecher Alexander Dauensteiner
(unterstuetzerkreis@dauensteiner.de,
Fax: 0212-2216335). Hintergründe zum juristischen Vorgehen von Daimler gegen Grässlin finden Sie auf der Homepage
www.juergengraesslin.com
Das Interview erschien in: alternative. Für die
Kolleginnen und Kollegen im DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim, Nr. 36, Juli 2007, S. 4
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