Artikel von JG »Der entscheidende Mausklick: www.wir-kaufen-keinen-mercedes.de -
Der entscheidende Mausklick: DFG-VK-Aktionswebsite zur Mercedes-Streumuntionskampagne Mit der Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG starteten AktivistInnen der DFG-VK und vier weitere Friedensorganisationen die Kampagne Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Streumunition! Bereits in den ersten Wochen sind erfreulich viele der Wir-kaufen-keine-Mercedes-Postkarten eingegangen, auf der Homepage bekennen sich die ersten UnterstützerInnen mit ihrem Namen zu der Abrüstungsaktion. Jeder von uns kennt die S-Klasse-Fahrzeuge der Mercedes Car Group. Weltweit verbinden Menschen mit dem Stern den »Mythos Mercedes«. Dabei wissen nur wenige, dass der Daimler-Konzern neben den Mercedes-Limousinen über seine Firmenanteile zugleich Deutschlands größter Rüstungsproduzent und -exporteur ist. Mit der 15-prozentigen Beteiligung am Rüstungskonzern European Aeronautics Defence and Space Company (EADS) und weiteren Firmenbeteiligungen ist Daimler in die Produktion von Kampfbombern, Militärhelikoptern und in Trägersystemen für Atomwaffen verwickelt. Da man im Konzern äußerst ungern auf das Thema angesprochen wird und die eigene Verwicklung am liebsten in Abrede stellt, ist die Rüstungs-S-Klasse – die der S-treumunition bzw. Raketenwerfern für Streumunition – bislang nahezu unbekannt. Das soll sich mit der DFG-VK unterstützten Kampagne »Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Streumunition!« ändern. Bei der internationalen Waffenmesse Eurosatory in Paris präsentierte das rüstungsproduzierende Unternehmen MBDA, an dem Daimler/EADS zu 37,5 Prozent beteiligt ist, Raketenwerfer vom Typ MLRS (Multiple Launch Rocket System) sowie deren Streumunitionsraketen. Die technisch optimierte MLRS-Version, das neue »Guided« MLRS-System, wird über eine noch größere Reichweite verfügen, noch zielgenauer treffen und über noch effizientere Munition verfügen. MLRS- bzw. GLMRS-Lenkraketen werden im Rahmen eines Kooperationsprogrammes der Rüstungskonzerne Lockheed Martin, Diehl und Daimler/EADS/MBDA in immenser Stückzahl gefertigt. Eine Salve mit rund 8000 Bombletmunitionen des Streumunitionswerfers GLMRS reicht aus, um Zivilisten wie Soldaten in einem Gebiet von bis zu einem Quadratkilometer durchsieben zu können. Dabei verfügen die Militärs über einen weitaus besseren Schutz als wehrlose Frauen, Kinder und alte Menschen, die sich auf der Flucht befinden. Militärs in aller Welt wissen die technischen Vorzüge von Streumunition zu schätzen: Diese Waffen sind äußerst effizient, die Folgen ihres Einsatzes währen Jahrzehnte und damit ist ihr Abschreckungscharakter immens hoch. Die beispielsweise im Jahr 2006 seitens der israelischen Armee im Krieg mit dem Libanon eingesetzte MLRS-Streumunition besitzt eine Wirkung, die mit der von Landminen vergleichbar ist. Wegen der äußerst hohen Anzahl von Blindgängern, die bei bis zu vierzig Prozent der abgeschossen Raketen liegen kann, werden ganze Landstriche mit Streumunition verseucht. Noch heute liegen im Südlibanon Hunderttausende von Blindgängern, die in den kommenden Jahren Menschen das Leben kosten werden. Aus den genannten Gründen bewertet das Aktionsbündnis landmine.de den Einsatz von Streumunition als Verstoß gegen die Genfer Konvention, welche wahllose Angriffe auf Zivilisten verbietet. Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auf den Websites von www.landmine.de und www.streubomben.de Bereits im Vorfeld der Daimler-Hauptversammlung Anfang April 2007
thematisierten Friedensaktivisten die Streumunitionsverwicklung der DaimlerChrysler AG. Auf zwei bestens besuchten Pressekonferenzen starteten die bislang
beteiligten Unterstützerorganisationen der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KADC), der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte
KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), von Ohne Rüstung Leben (ORL), des RüstungsInformationsBüros (RIB) und der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden die
Kampagne »Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Streumunition!« und riefen die Bevölkerung zum Mitmachen auf. Dr. Eva-Maria Fischer von handicap
international und Thomas Küchenmeister von landmine.de zeigten vor laufenden Kameras die Verwicklung der DaimlerChrysler AG in Streumunition auf. In Zeiten weltweiter Überproduktion stehen Autokonzerne unter
massivem Verkaufsdruck. Umso größer sind die Erfolgsaussichten ethisch verantworteter Kampagnen, mit denen der Ausstieg aus der Fertigung unmoralischer und
menschenverachtender Produkte wie Streumunition gefordert wird. Entscheidend ist dabei vor allem die Frage, wie viele potentielle Autokunden die Aktion
»Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Streumunition!« unterstützen. Eines sei an dieser Stelle auch schon verraten: Daimler steht ein heißer Herbst bevor: In einer Aktionswoche in der ersten Oktoberhälfte werden Friedensaktivistinnen und -aktivisten bundesweit gegen die Streumunitionsbeteiligung bei Daimler/Mercedes aktiv werden. Spätestens dann muss sich der Konzernvorstand entscheiden, wie viele nicht verkaufter Mercedes-Fahrzeuge ihm die Rüstungs-S-Klasse wert ist. Jürgen Grässlin ist Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) und Autor des Buchs »Abgewirtschaftet?! Das Daimler-Desaster geht weiter«, in dem er das »Rüstungs-Desaster« und die Streumunitionsverwicklung von Daimler/EADS beschreibt. |